Die 5Rs von Zero Waste

Die 5 R‘s oder Die Grundsätze des müllfreien Lebens

Es gibt viele Möglichkeiten und Wege, sein eigenes Leben müllfreier zu gestalten. Ein hilfreiches Mittel, um sich die Umsetzung und Strukturierung einfacher zu machen, ist es, sich an den „5 R‘s“ zu orientieren. Welche das sind und was die Grundsätze des müllfreien Lebens bedeuten, erkläre ich Dir jetzt.

Woher kommen die 5 R‘s?

Bea Johnson war die erste, die ihr Leben als Müllvermeiderin öffentlich gemacht, ein Buch* darüber geschrieben und so die „Zero Waste“ Bewegung gegründet hat. Von ihr stammt auch die Bezeichnung der „5R‘s“.

Ihre 5R‘s sind:

  • Refuse, what you do not need. (Vermeide, was Du nicht brauchst.)
  • Reduce, what you do need. (Reduziere, was Du brauchst.)
  • Reuse by using reusables. (Verwende wieder, indem Du Mehrwegprodukte benutzt.)
  • Recycle what you cannot refuse, reduce oder reuse. (Führe der Wiederverwertung (recycling) zu, was du nicht ablehnen, reduzieren oder wiederverwenden kannst.)
  • Rot the rest. (Kompostiere den Rest.)

Diese Liste wird häufig durch weitere Punkte erweitert. Daher binde ich zusätzliche Schritte direkt in die Erläuterung mit ein.

Rethink – Überdenken

Ohne Bewusstsein keine Veränderung. Um etwas umsetzen zu wollen, braucht es oft einen ersten Anstoß. Eine Erfahrung, einen Anreiz, eine Inspiration, einen Grund. Oder alles zusammen.

Frage Dich:
Warum möchtest Du müllfreier leben? Für Die Umwelt, die Nachwelt, um etwas Gutes zu tun?
Was bestärkt Dich in Deinem Vorhaben? (Damit Du auch längerfristig Spaß an der Sache hast und motiviert bleibst.)

Werde Dir bewusst, wie wichtig und stark auch dein Einsatz als Einzlene*r sein kann und dass es nicht darum geht, das große Ganze von Grund auf verändern zu wollen. Denn Veränderung geschieht vor allem im Kleinen.

Übernehme Verantwortung für Dein eigenes Handeln und warte nicht darauf, bis das System sich verändert.

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.

Talmud
mutig den ersten Schritt gehen

Refuse – Vermeide, was Du nicht brauchst

Was Du nicht annimmst, darum musst Du dich auch nicht kümmern. Und im Falle des Mülls – ihn auch nicht entsorgen. Versuche also, als ersten Schritt, soviel es geht einfach zu vermeiden.

Ob Werbepost, kostenlose Probepackungen oder Werbegeschenke, ein Flyer oder schlicht Produkte, die verpackt sind. Es ist Deine Entscheidung, diese Dinge anzunehmen oder Dich dagegen zu entscheiden.

Denn alles, was Du annimmst, bedeutet für das Angebot, dass Du es haben willst, also wird es nachproduziert. Lehnst Du (und viele andere genauso) es ab, reduziert sich die Nachfrage und irgendwann wird es diese Wegwerfartikel oder unnötigen Verpackungen nicht mehr geben, wenn sie keiner mehr haben will. Wie man heute bereits sehen und erleben kann, sind wir bereits auf einem guten Weg, was das betrifft. Doch es ist noch so viel mehr möglich.

Hinterfrage ganz bewusst Dein Konsumverhalten und achte beim nächsten Einkauf vielleicht mal ganz gezielt darauf, wie viele Deiner Produkte verpackt sind und auf welche Art. Vielleicht fällt Dir ja durch den bewussten Blick auf, dass Manches auch anders oder weniger verpackt angeboten wird oder Du das ein oder andere gar nicht brauchst.

Denn wir als Verbraucher, jede*r Einzelne, haben eben doch die Macht etwas zu entscheiden und zu verändern.

Die Grundsätze von Zero Waste die 5R's
Verpackungen ablehnen und unverpackt einkaufen

Reduce – reduziere, was Du brauchst

Wie viel brauchst Du wirklich?
Hast Du viele Gegenstände mehrfach, ohne, dass Du sie wirklich nutzt?
Und wie oft kaufst Du etwas, weil es gerade im Angebot ist oder die Werbung Dich glauben macht, dass Du das brauchst, obwohl Du sonst wohl kaum daran gedacht hättest?

Indem Du Dir bewusst machst, was Du tatsächlich benötigst (und dann auch nur noch das kaufst), konsumierst Du automatisch weniger. Und sind wir mal ehrlich, jede*r von uns hat doch bestimmt ein paar Kleidungsstücke im Schrank oder Möbel im Keller, Geschirr im Küchenschrank, dass schon seit Ewigkeiten nicht mehr benutzt oder getragen wurde.
Überlege Dir, aus welchem Grund Du diese Sachen noch besitzt und was es Dir gibt, so vieles zu besitzen, auch wenn Du es nicht benutzt?
Jemand anderes braucht vielleicht gerade das und kauft es sich neu.

Du kannst das vermeiden, indem Du die Dinge, die Du nicht mehr benutzt verkaufst, tauschst, verschenkst und somit jemand anderes wieder Freude und einen Nutzen davon hat. So bringst Du es wieder in Umlauf und vermeidest, dass weitere Ressourcen dafür ver(sch)wendet werden, Produkte, die schon existieren, nochmals zusätzlich neu zu produzieren.

Flohmarkt verkauf, für alles, was nicht mehr benutzt odere gebraucht wird

Zudem ist es sehr effektiv, wenn Du Gegenstände, die Du häufig brauchst, kaufst oder verwendest, durch nachhaltigere Mehrwegalternativen ersetzt (z.B. Bäckertüten, Kaffeebecher, Taschentücher, Backpapier,…).

Edelstahl Dosen und Mehrweg Kaffebecher

Repair – repariere, was Du hast

Die Hose hat ein Loch, das Kleid ist zu eng, der Verschluss klemmt, da fehlt eine Schraube und schon denken wir, der Gegenstand sei nicht mehr zu gebrauchen. Dabei gibt es viel mehr Möglichkeiten. Du kannst deine Sachen reparieren, um sie länger benutzen zu können.

Und wenn Du mal nicht weißt, wie Du zum Beispiel Deine Nähmaschine reparierst, gibt es in vielen Orten Repair-Cafés oder ähnliche Institutionen und Vereine, die anbieten, anderen oder untereinander unter die Arme zu greifen und gemeinsam zu werkeln und zu basteln.

Dein Auto bringst Du ja auch in die Werkstatt und kaufst Dir kein Neues, wieso also nicht mit allen Sachen so umgehen?
Socken stopfen, Löcher nähen, gerade bei Kleidung habe ich schon häufig nochmal ausgebessert, um sie länger tragen zu können.

Reuse – wiederverwenden, was Du schon hast/was es schon gibt

Aus Kleidungsstücken, die nicht mehr passen, von denen Du Dich aber nicht trennen möchtest, kannst Du Dir Einkaufstaschen, ein Patchworkkissen oder andere Dinge nähen. Und aus ganz kaputten Kleidern kannst Du Putzlappen machen, zum Spülen, zum Fahrrad putzen, usw.. Denn alles, was Du wiederverwendest oder upcyclest musst Du nicht neu kaufen.

Auch gebraucht einkaufen fällt für mich in diese Kategorie. Bevor Du etwas neu kaufst, frag vielleicht erst mal im Bekanntenkreis nach oder schau beim Second Hand Shop oder Ebay Kleinanzeigen, ob es das schon gibt und Du es gebraucht kaufen kannst.
Ich kaufe fast nur noch gebraucht. Ob Kleidung, Elektronik, Gebrauchsgegenstände, Bücher, Küchengeräte oder Möbel. Nur wenn ich es gar nicht Second Hand finden kann, kaufe ich neu. Und Unterwäsche natürlich auch.

Was Du nicht so häufig brauchst, wie z. B. ein Raclette-Eisen, spezielles Werkzeug, Kleidung für besondere Anlässe, usw. kannst Du dir auch leihen, anstatt es zu kaufen.

Auch Tauschen ist eine tolle Methode, sich etwas Neues ins Haus zu holen, ohne neu kaufen und Geld ausgeben zu müssen. Manchmal hat man ja auch einfach Lust auf etwas Abwechslung. Mit Freunden eine Kleidertauschparty machen oder bei Ebay Kleinanzeigen ein Spiel gegen ein anderes tauschen, Möglichkeiten gibt es viele.

Außerdem kann man aus Müll noch so vieles machen. Alte Konservengläser verwende ich zum Einfrieren oder als Trinkgläser weiter, Du kannst aber auch schöne Deko aus ihnen machen. Altpapier verwende ich z.b. als Notizzettel oder es wird bestempelt und als meine Visitenkarten verwendet.

Recycle – richtig entsorgen, was nicht vermieden, reduziert oder wiederverwendet werden kann

Alles, was Du nicht vermeiden, wiederverwenden, ihm einen neuen Zweck geben oder reparieren kannst, sollte ordentlich recycelt oder entsorgt werden. Achte dabei auf die richtige Mülltrennung. Wenn unklar ist, was wo rein kommt, kannst Du das im Internet beim zuständigen Abfallwirtschaftsamt nachlesen oder einfach dort anrufen und erfragen, wie und wo was entsorgt werden kann.

Rot – kompostiere

Nach all diesen Punkten sollten am Ende nur noch Küchenabfälle übrig bleiben, die kannst Du im eigenen Kompost oder in der Biotonne entsorgen. (Oder auch im Wurmkomposter, wenn Du das mal ausprobieren möchtest.)

Wenn Dir diese Zusammenfassung der 5, bzw 7 R‘s geholfen hat, einen besseren Überblick über die Prinzipien und Vorgehensweisen des Zero Waste Lebensstils zu bekommen, freue ich mich über Deine Rückmeldung in den Kommentaren.

Und nicht vergessen:
Durch bewusste Entscheidungen, bewussten Konsum und vor allem Dein alltägliches Verhalten kannst Du so viel verändern!